Baum des Jahres 2019
Die Flatter-Ulme: Überlebenskünstlerin im Auwald
von Andreas Ploner, AELF Erding

Knospen der Flatter-Ulme

Knospen der Flatter-Ulme
Foto: A.Ploner

Wurzeln wie ein Tropenbaum

Die Flatter-Ulme (Ulmus laevis) erreicht Wuchshöhen von 30 bis 40 Metern. Ihre helle, graubraune Rinde ist auffällig rau und schuppig. Bei Spaziergängen im Auwald fallen dem aufmerksamen Waldbesucher Flatter-Ulmen sofort auf: als einzige europäische Baumart bildet sie auffällige Brettwurzeln, die sich den Stammfuß hochziehen. Dies kennt man sonst nur von Baumarten aus Tropenwäldern. Die Brettwurzeln erhöhen die Standfestigkeit der Ulmen auf flachgründigen Standorten, vor allem aber auch auf nassen Böden. Die ausladenden Wurzelanläufe dienen darüber hinaus der besseren Sauerstoffversorgung bei Hochwasser.
Im Auwald zu Hause
Überhaupt ist die Flatter-Ulme sehr gut an feuchte Waldböden angepasst. Ihre Überflutungstoleranz ist sehr hoch, deswegen kommen Flatter-Ulmen natürlicherweise hauptsächlich in Au- und Feuchtwäldern vor. Sie ist eine prägende Baumart der Hartholzaue, gemeinsam mit Eschen und Eichen. Die Samen der Flatter-Ulmen brauchen zum Keimen offene, vegetationsfreie Böden. Solche Rohböden entstehen in Auwäldern, wenn die Humusschicht durch Hochwasserereignisse weggeschwemmt wird.
Eine bedrohte Art
In den letzten 200 Jahren wurden unsere Flüsse immer mehr reguliert und Dämme gebaut. Dadurch ist der natürliche Lebensraum der Ulmen, also Feucht- und Auwälder, immer weniger geworden. Durch die "Aussperrung" der Hochwässer gibt es immer weniger Rohböden, welche die Ulmen zum Keimen benötigen. Aus all diesen Gründen ist die Flatter-Ulme eine sehr seltene Baumart geworden und steht in Bayern sogar auf der "Roten Liste".
Neue Perspektiven
In unserer jetzigen Zeit bieten sich für die Ulmen neue Chancen. Da in unseren Wäldern die Eschen durch das Eschentriebsterben großflächig ausfallen, rückt die Ulme als potente Ersatzbaumart für die Esche verstärkt in den waldbaulichen Fokus.
Weniger betroffen vom Ulmensterben
Ein weiterer Grund, der für die Einbringung von Flatter-Ulmen spricht, ist folgender: Im Gegensatz zu unseren anderen beiden Ulmen-Arten, also Feld- und Berg-Ulme, ist die Flatter-Ulme weniger vom so genannten Ulmensterben, einer Pilzkrankheit, betroffen. Dies hat einen einfachen, aber plausiblen Grund: Die Ulmensplintkäfer, welche die Krankheit hauptsächlich übertragen, erkennen die Flatter-Ulmen schlicht nicht als Ulmen, da sich ihre Rinde in Struktur und Inhaltsstoffen deutlich von den anderen Ulmenarten unterscheidet. Wird sie doch einmal infiziert, ist der Krankheitsverlauf weniger gravierend und endet selten tödlich.
Ersatz für die Esche
Gerade in durch das Eschentriebsterben geschädigten Beständen ist die Flatter-Ulme also eine sehr interessante Alternative. Gut geeignet sind auch kleinflächige Pflanzungen mit Wuchshüllen.
Das Einbringen seltener Baumarten wird von der Forstverwaltung besonders gefördert. Falls Ihr Interesse geweckt wurde: Die Förster der Bayerischen Forstverwaltung beraten Sie gerne zur Pflanzung von Ulmen und einer möglichen Förderung.
Charakteristische Brettwurzeln

Foto: A. Ploner

Raue und schuppige Rinde

Foto: A. Ploner

3-jährige Flatterulme in einer Wuchshülle

Foto: A. Ploner